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Zero-Waste-Dorf in der Toskana

In Cappanori in Italien leben die Menschen fast müllfrei – mit Unterstützung der Gemeinde konnte die Abfallmenge pro Person fast halbiert und die Recyclingrate verdoppelt werden.

Fast 50.000 Menschen wohnen in Cappanori in der Toskana, einer vorbildlich sauberen Stadt, die Müllvermeidung und Mülltrennung bereits sehr erfolgreich umsetzt. Insgesamt 270 italienische Gemeinden mit circa sechs Millionen Italiener*innen machen beim Zero-Waste-Projekt mit. Einen großen Teil des Erfolges ist dem Grundschullehrer und Umweltschützer Rossano Ercolini zu verdanken: Durch weniger Abfall und mehr Umweltschutz steige die Lebensqualität für alle, so Ercolini. Seit zehn Jahren arbeitet Cappanori darauf hin, eine Zero-Waste-Stadt zu werden, die Resultate sprechen für sich: Der Abfall pro Person konnte um 40% reduziert werden, die Recyclingrate stieg von 39% auf 79%. In Deutschland liegt die Recyclingrate durchschnittlich bei 66%.

Schon beim Einkaufen achten die Bewohner*innen darauf, Müll zu vermeiden. Statt Einwegpackung kann Milch beispielsweise direkt am Bauernhof in eine eigene Glasflasche gezapft werden. Ein besonderer Fokus liegt auch auf der sehr exakten Mülltrennung: Wenn ersichtlich ist, dass der Müll bei Abholung nicht richtig getrennt ist, wird er nicht mitgenommen. Um diese Genauigkeit zu gewährleisten, wird er von Haus zu Haus abgeholt, was auch etwa 40 neue Arbeitsplätze geschaffen hat. Die Fachkräfte sind eigens darauf vorbereitet, die Bürger*innen auch im persönlichen Gespräch über korrekte Mülltrennung aufzuklären.

Die zu bezahlende Abfallgebühr richtet sich nach der Menge des Mülls, die jeder Haushalt produziert. Je weniger Müll anfällt, desto weniger muss gezahlt werden. Die Kommune verteilt kostenlose Mülltüten mit Mikrochips, die bei Abholung gescannt werden. Eine volle Tüte kostet zehn Euro Gebühren. Auch ein Kompostbehälter für den Garten wird von der Kommune kostenlos bereitgestellt, was den Restmüll vor allem in der Küche weiter minimiert. Familie Tomei aus Capannori berichtet stolz, pro Jahr nur noch drei bis vier Restmüllsäcke zu benötigen.

Die Stadt hat ein eigenes Zero-Waste-Recherchezentrum, wo beispielsweise Alternativen zu Einwegartikeln wie Feuerzeugen oder Kaffeekapseln erforscht werden. Rossano Ercolini macht Umweltbildung zusätzlich nun zum Thema im Schulunterricht, wodurch die Aufklärung auch bei den Familien ankommt. Zusätzlich sieht er die Beteiligung von Politik und Industrie an den Maßnahmen der Verbraucher*innen als unerlässlich an, denn nur so kann langfristig wirklich eine globale Veränderung bewirkt werden. Wir sind beeindruckt und gespannt, ob Capannori das Ziel erreicht, bis Ende 2020 gar keinen Restmüll mehr zu produzieren.

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