Voneinander lernen: Veränderung ist kinderleicht!

#3: Welchen Einfluss hat mein Handeln eigentlich auf den Rest der Welt?

Die Bewegung „Schön wie wir" beginnt Veränderungsprozesse im Kleinen, die einen Teil dazu beitragen, dass sich die Welt im Großen positiv verändert.

Annabelle Wischnat vom Verein „kulturweiter – bilden, vernetzen, engagieren“ schafft mit ihrer Arbeit ein Bewusstsein dafür, welchen Einfluss jeder Einzelne von uns auf andere Teile der Welt hat und warum es so wichtig ist, mit den kleinen Dingen zu beginnen.


SWW: Herzlich Willkommen, liebe Annabelle Wischnat. Bitte verraten Sie uns, wer Sie sind und was hinter  „kulturweiter – bilden, vernetzen, engagieren“ steckt!

Annabelle Wischnat: Gern. Ich bin Annabelle Wischnat, ich bin 32 Jahre alt und im Beirat des gemeinnützigen Vereins „kulturweiter – bilden, vernetzen, engagieren e.V“.
Wir haben uns 2014 gegründet. Damals waren wir alle Alumni des Freiwilligendiensts „Kulturwald“, ein Projekt der deutschen UNESCO-Kommission, welches junge Menschen in die auswertige Bildungs- und Kulturlandschaft entsendet. Ein großes Thema war auch hier schon Bildung für nachhaltige Entwicklung.
Das ist uns so sehr ans Herz gewachsen, dass wir den Verein gegründet und ein Programm geschrieben haben, um das Thema stärker nach außen zu tragen. Kurz könnte man sagen, dass wir mit dem Verein gesellschaftliches Miteinander und eine nachhaltige Entwicklung fördern wollen.

Haben Sie in diesem Rahmen auch Angebote für Kinder und Jugendliche?

Ja, wir sind in unterschiedlichen Bildungsbereichen tätig. Wir gehen in Schulen, in Universitäten, zu Bildungsträgern, Vereinen und geben da Workshops und Seminare zum Thema Bildung für nachhaltige Entwicklung.

Für Grundschulen fangen unsere Workshops ab der vierten/fünften Klasse an, aber auch für höhere Schulstufen haben wir Angebote. Des Weiteren gibt es die Schüleruni, wo Schüler*innen einmal im Jahr zu unseren Projekttagen an unsere Unis kommen können. Wir sind nicht auf eine Zielgruppe festgeschrieben und können unser Programm jederzeit anpassen.

Wir orientieren uns mit den Workshops an den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen, die 2015 beschlossen wurden. Es geht z.B. um die Themen „Wie konsumieren wir?“, „Wie wird unsere Nahrung hergestellt?“ und „Was produzieren wir?“. Es geht aber auch um Arbeitsverhältnisse und die Fragen „Wie möchte ich arbeiten?“ und „Wieviel Geld bekomme ich?“. Mobilität, Klimawandel und Geschlechtergerechtigkeit spielen ebenfalls eine große Rolle.
In der letzten Zeit haben wir uns öfter mit dem Thema Welterbe beschäftigt. Die Hufeisensiedlung in Neukölln z.B. steht auf der Welterbe-Liste der UNESCO und daran kann man gut diskutieren, wie wir zusammen leben wollen, wie Städte geplant werden und welche Materialien man verwendet. Gleichzeitig kann man die Themen Genossenschaften, globale Machtverhältnisse und Verteilungsfragen prima aufgreifen.

Beispiel-Workshops:

„FairReisen: Nachhaltiger Tourismus – geht das?“

„Smarte E-Scooter oder Schrott auf Rädern? Welcher Rohstoffverbrauch hinter unserem Lebensstil steckt.“

„Lebensmittel zum Zweck. Wie das Wirtschaftssystem im Ernährungssektor wirkt.“

„Welche Wege geht ein Mensch? Flucht und Migration im Kontext der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)“

Wie kann man sich den Ablauf eines solchen Workshops vorstellen?

Wir gehen in die Schulen oder an bestimmte Orte, die mit dem Thema zusammenhängen.
Wichtig ist immer, dass die Schüler*innen beginnen, ihr eigenes Handeln zu hinterfragen und dass sie lernen, welche Auswirkungen ihr Handeln auf Menschen in anderen Teilen der Welt hat. Indem die Schüler*innen selbst reflektieren, was sie kaufen oder wie sie sich ernähren, bekommen sie einen Zugang zu zukunftsbewusstem und nachhaltigem Denken und Handeln. Bewusstsein ist der erste Schritt zur Veränderung. Es ist wichtig, zu verstehen, was meine Entscheidungen für Auswirkungen haben. Denn wenn ich bei mir anfange, kleine Dinge zu ändern, ändern sich die globalen Prozesse mit.

Um das spielerisch zu vermitteln, verwenden wir ganz unterschiedliche Materialien und Medien. Dabei ist uns wichtig, dass wir nicht vor den Schüler*innen stehen und ihnen etwas „beibringen“, sondern dass jede*r selbst eigene Erkenntnisse gewinnt oder die Schüler*innen diese und ihre Erfahrungen miteinander teilen.

Wie reagieren die Kinder auf Ihre Workshops?

Die meisten machen sehr interessiert mit. Das Thema Umweltschutz hat in den letzten eineinhalb Jahren öffentlich immer mehr an Bedeutung gewonnen. Für mich ist dieses Thema jedoch eines unter vielen und es ist wichtig, Umweltschutz, Ökonomie und Soziales zusammenzudenken und ein Gleichgewicht zu halten.
Manchen jungen Menschen ist das durchaus bewusst und sie wissen, dass wenn sie immer wieder neue Kleidung kaufen, diese erstens teuer ist und zweitens Menschen in anderen Teilen der Welt dafür arbeiten und nicht fair bezahlt werden.
In anderen Haushalten spielen diese Themen noch keine Rolle und hier ist es wichtig, diese Begegnung zu schaffen. Es gibt auch Menschen, die glauben, dass sie gezwungen sind, bestimmte Dinge zu konsumieren oder Handlungsweisen auszuführen, weil ihnen zum Beispiel das Geld fehlt. Dann geht es darum zu zeigen, dass man mit wenig Geld auch bewusst handeln kann.
Das Schönste ist, wenn Schüler*innen „Aha-Momente“ haben. Dann haben sie für sich entdeckt, dass sie etwas Großes ändern können, indem sie mit den kleinen Dingen anfangen.

Warum ist das Thema in der heutigen Zeit so wichtig?

Die Welt braucht solche Bildungsprojekte, weil wir versuchen, den jungen Menschen die Ungerechtigkeiten bewusst zu machen und wir sie dazu motivieren, nachzudenken und Lösungsansätze zu entwickeln. Eine nachhaltigere Welt ist möglich, wenn wir gemeinsam kleine Dinge ändern.
Die Aufmerksamkeit für den nachhaltigen Umgang mit Ressourcen hat durch Fridays for Future und die Klimaproteste nochmal enorm zugenommen. Durch Corona haben wir jetzt auch deutlich gesehen, unter welch katastrophalen Bedingungen z.B. Personen im Gesundheitssystem arbeiten müssen. Es ist wichtig ein Bewusstsein zu entwickeln, wie wichtig die sozialen Aspekte in unserer Gesellschaft sind. Wir müssen uns Gedanken machen über Arbeit und Arbeitszeit, über Familie und Familienzeit und über soziale Absicherung. Da wird sich in den nächsten Jahren noch viel verändern.

Wie wünschen Sie sich die Zukunft?

Ich wünsche mir, dass Kitas und Schulen all diese Themen viel stärker integrieren, denn je jünger wir sind, wenn wir über Nachhaltigkeit und nachhaltige Entwicklung lernen, desto mehr zieht sich das durch unser gesamtes Leben. Vom Kindergarten an, über Schule bis hin zu Studium und Ausbildung sollten wir immer wieder erfahren, welchen Einfluss unser Handeln auf andere Menschen in dieser Welt hat. Ich wünsche mir eine solidarische, gerechte und ökologische Welt.

Wie findet man weitere Informationen zu Ihnen und wie kann man Sie kontaktieren?

Unsere Homepage lautet www.kulturweiter.de und man kann uns unter der E-Mail-Adresse bme@kulturweiter.de kontaktieren und auch für Workshops anfragen. Die Webseite wird aktuell umgebaut, steht aber bald wieder zur Verfügung.

Vielen lieben Dank für das Interview und Ihre wertvolle Arbeit.

© Fotos auf dieser Seite: kulturweiter e.V.

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