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Nachhaltigkeit

Wie Hanoi die Müllflut in den Griff bekommt

Wiederverwertbarer Müll kann in Hanoi ab sofort jeden Samstag gegen nützliche Hygieneartikel eingetauscht werden.

Seit neuestem gibt es Tausch-Stationen für recycelbaren Müll in der Stadt Hanoi – dort bekommen die Anwohnenden Hygieneartikel im Tausch gegen Metall-, Papier- oder Plastikmüll.

Ein näherer Blick auf die Hauptstadt Vietnams zeigt, warum das ein wichtiger Fortschritt ist: 8 Millionen Menschen machen eine Menge Müll. Vor allem Tüten, Flaschen und sonstige Verpackungen aus Plastik türmen sich in den Müllbergen am Straßenrand und auf den Müllkippen. Mülltrennung oder ein Pfandsystem gibt es nicht. Die Müllkippen sind überfüllt, die Menschen verbrennen den Müll zum Teil auf offener Straße. Eine Bewohnerin verrät, dass die Nutzung von Plastiktüten und -bechern vor allem aus Bequemlichkeit geschieht. Was günstig und praktikabel erscheint, hat jedoch fatale Konsequenzen. Dadurch, dass der Müll in Vietnam nicht getrennt wird, muss für die Herstellung von neuen Recycling-Plastikprodukten Plastikmüll aus der ganzen Welt importiert werden. Diese Tatsache schiene ironisch, wären die Konsequenzen nicht so weitreichend. Also wurde in Hanoi an verschiedenen Stellen nach Lösungen gesucht.

Erste Fortschritte sind beispielsweise ein „Zero Waste“-Laden, der liebevoll seit April 2019 geführt wird. Die Besitzerin will sowohl die Aufmerksamkeit für Müllvermeidung anregen als auch einen Markt für umweltbewusste Anwohner*innen schaffen. Zusätzlich kehren Supermärkte teilweise zu Bananenblättern als Verpackungsmaterial zurück, beispielsweise in der Gemüseabteilung. Außerdem existiert seit 2016 das Unternehmen „Keep Hanoi Clean“ (KHC), das jeden Sonntag zum 30-minütigem CleanUp aufruft.

Seit August 2020 gibt es jeden Samstag einen Tauschmarkt zur Mülltrennung, ins Leben gerufen von der „Hanoi Urban Environment Company“ (URENCO). Hier werden Plastik-, Metall- und Papiermüll gegen Hygieneartikel wie Seife, Shampoo oder Desinfektionsmittel getauscht. Mit Erfolg: Hunderte von Bewohner*innen machen mit, an einem Samstag kommen innerhalb von zwei Stunden bis zu anderthalb Tonnen Müll zusammen. Die Müllkippen werden entlastet, die Mülltrennung vorangebracht, Bürger*Innen lernen Verantwortung für ihren Müll zu übernehmen. Es gibt insgesamt 7 Tausch-Stationen in 4 Bezirken, zusätzlich kann man den recycelbaren Müll auch per App zuhause abholen lassen.

Wir sind gespannt, wie sich die Mülltrennung in Hanoi weiterentwickelt, und ob „Müll-Tausch-Stationen“ nach diesem Vorbild nicht auch für Berlin (zum Beispiel in Parks oder bei Märkten) in Betracht zu ziehen sind.

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