Voneinander lernen: Veränderung ist kinderleicht!

#1: Isst Du schon „RESTLOS GLÜCKLICH“?

In der Bewegung „Schön wie wir“ setzen wir uns gemeinsam für eine lebenswerte Zukunft ein. Dazu gehört es vor allem, auch junge Menschen zu erreichen, zu inspirieren und zu motivieren, ein Stück Veränderung selbst in die Hand zu nehmen.

Es gibt so viele tolle Projekte mit wertvollen Angeboten für Kinder und Jugendliche und wir wollen, dass diese noch viel stärker sichtbar werden.
Daher freuen wir uns sehr, euch heute Hanna Legleitner von der Organisation „RESTLOS GLÜCKLICH e. V.“ vorstellen zu können. Sie hat kreative und kulinarische Ideen im Gepäck, die ihr aktuell nutzen könnt.


SWW: Herzlich Willkommen, liebe Hanna Legleitner. Erzählen Sie uns doch mal, was hinter dem schönen Namen „RESTLOS GLÜCKLICH“ steckt.

Hanna Legleitner: „RESTLOS GLÜCKLICH“ ist ein gemeinnütziger Verein, der sich für mehr Wertschätzung von Lebensmitteln einsetzt und der das Thema Lebensmittelverschwendung verstärkt angeht. Klimafreundliche Ernährung und nachhaltiger Konsum sind wichtige Themen bei uns.

In diesem Rahmen bieten Sie auch Workshops für Kinder und Jugendliche an, richtig?

Ja, genau. Wir haben z.B. Bildungs- und Kochworkshops sowie Mitmach-Aktionen für Kitas, Grundschulen und Oberschulen im Programm, damit Kinder und Jugendliche ihren Kosum und ihre Ernährung überdenken und das dann auch in ihre Familien tragen.

Beginnen wir doch mal mit den Grundschulen. Welches Angebot haben Sie da?

Eines unserer geförderten Projekte nennt sich „School Lunch“, wofür sich Grundschulen demnächst wieder anmelden können. In einem Tagesworkshop besprechen wir den Wert der Nahrung, woher das Essen kommt und wie weit es anreisen muss. Es ist wichtig, dass die Kinder verstehen, wie Ernährung und Klima zusammenhängen, damit sie Lebensmittel nicht verschwenden, sondern wertschätzen. Diese Punkte sind meist kein Schwerpunkt im normalen Unterricht. In unseren Workshops lernen sie z.B. spielerisch Transportwege kennen, dürfen zusammen einen Kühlschrank einräumen und dabei Lebensmittel richtig lagern. Das Highlight des Workshops ist dann der Kochteil, in welchem aus geretteten Lebensmitteln gemeinsam ein 3-Gänge-Menü gekocht wird.

Wo wird dann gekocht? Kommt Sie in die Schulen?

Wir kommen vorbei. Entweder haben die Schulen eine Küche zur Verfügung oder wir bringen unser komplettes Equipment mit. Ebenso bringen wir die geretteten Bio-Lebensmittel mit, die aus dem Verkauf aussortiert wurden.

Wie reagieren die Kinder darauf?

Sie finden es mega cool, denn sie bekommen eine Urkunde als „Lebensmittelretter*innen“. Die Kinder werden als Akteur*innen und Entscheider*innen im Haushalt ernst genommen und werden sich ihrer Stimme und ihrem Einfluss bewusst.
Alle Grundschulen Berlins können sich mit einer E-Mail an schoollunch@restlos-gluecklich.berlin bewerben und wir vergeben insgesamt 20 Workshops für das nächste Schulhalbjahr.

Welche Möglichkeiten gibt es für Oberschulen?

Für Oberschulen haben wir derzeit kein gefördertes Projekt, bieten aber dennoch einen Workshop zum Thema „Lebensmittelwertschätzung“ an. Dabei geht es ebenfalls um den Zusammenhang zwischen dem Klima und unserer Ernährung. Wir können ganz individuelle Angebote machen, von der Theorie bis hin zum aktiven Lebensmittelretten und gemeinsamen Kochen in der Praxis. Auch kleine Stop-Motion-Filme oder Ausstellungen haben wir schon gemeinsam mit Schüler*innen umgesetzt. Manchmal gibt es Fördervereine an den Schulen, die solche Workshops ermöglichen oder die Schulen haben eigene Mittel, z.B. für Projekttage.

Und für die ganz Kleinen? Wie können schon Kitakinder mit diesen Themen vertraut gemacht werden?

Seit neuestem gibt es auch das Kitaprojekt „Bis auf den letzten Krümel“, bei welchem wir Kitas in Kreuzberg und Neukölln sieben Wochen lang beraten. Es geht dabei z.B. um Kompostierung oder Lebensmittelwertschätzung und wir schauen gemeinsam, wie Erzieher*innen mit diesen Themen kindgerecht arbeiten können. Dafür haben wir eine Materialkiste entwickelt, die wir auch an Kitas verleihen, die nicht an dem Programm teilnehmen können, weil die Plätze irgendwann vergeben sind. Das alles ist kostenlos und gefördert vom Senat für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz. Wer daran teilnehmen möchte, kann uns gerne kontaktieren.

Danke für den Überblick. Sehen Sie in der aktuell schwierigen Situation eine Chance, dass wir zukünftig achtsamer mit dem Thema Ernährung umgehen?

Ich sehe diese Zeit gerade als Gefahr und als Chance gleichzeitig. Es besteht eine große Gefahr, dass wir mehr Lebensmittel verschwenden als bisher, denn die Menschen kaufen gerade große Mengen, um nicht ständig einzukaufen. Gleichzeitig fehlt ihnen oft das Wissen, wie man mit so vielen Lebensmitteln umgeht, was man daraus machen kann und wie man sie haltbar machen kann. Es werden viele Konserven gekauft, die voller Konservierungsstoffe sind und die die Menschen sonst vielleicht gar nicht essen würden. Wir wollen den Menschen zeigen, wie sie Lebensmittel richtig lagern, wie sie mehr verwerten und auch noch Geld sparen können. Ich könnte mir auch vorstellen, dass das Thema Mindesthaltbarkeitsdatum (also dass Lebensmittel nach diesem Datum nicht sofort weggeworfen werden müssen) jetzt auch etwas mehr angenommen wird.
Man hat mehr Zeit, ist mehr Zuhause und kann sich mit dem Essen intensiver auseinandersetzen. Vielleicht sind die Menschen jetzt offener für unsere Bildungs- und Sensibilisierungsarbeit.

Was glauben Sie, warum braucht die Welt Projekte wie Ihre?

Viele Menschen haben nicht das Bewusstsein dafür, dass die Ernährung einen großen Bereich unseres CO2-Fußabdrucks einnimmt, nämlich fast 17%. Das heißt, dass man mit ganz wenigen Schritten, die gar nicht wehtun, relativ viel verändern kann. Man muss nicht von heute auf morgen vegan sein und Essen darf ruhig Spaß machen. Wenn man sich klimafreundlicher ernährt, kann man kreativer, gesünder und kostengünstiger leben. Die Kritik, dass eine bewusste Ernährung teurer wäre, stimmt nicht. Deshalb braucht es Projekte wie unsere, damit wir diese Schritte zur Veränderung mit schönen, gemeinsamen Ereignissen und einer positiven Einstellung verbinden.

Wie wünschen Sie sich die Zukunft?

Ich wünsche mir, dass die Lebensmittelverschwendung überall stark abnimmt. Nicht nur im privaten Haushalt, sondern auch im Handel. Und ich wünsche mir, dass es ein alltägliches Bild wird, dass Lebensmittel krumm sind, dass wir unsere Sinne bewusster einsetzen und Freude am gemeinsamen Kochen und Essen haben. Achtsamkeit und Entschleunigung spielen da eine große Rolle. Das erfahren wir ja jetzt gerade ganz stark. Es wäre toll, wenn wir uns im Bereich Lebensmittelverschwendung überflüssig machen würden. Dann hätten wir unser Ziel erreicht.

Wie findet man weitere Informationen zu Ihnen und wie kann man Sie kontaktieren?

Auf unseren Social-Media-Kanälen geben wir ganz viel Input, veröffentlichen Rezepte, Tipps und Tricks. Ihr findet uns bei Facebook, Instagram und unter
www.restlos-gluecklich.berlin

Die E-Mail-Adresse für jegliche Bildungs-Koch-Workshops lautet: bildung@restlos-glücklich.berlin

Im Moment stehen die analogen Workshops still, aber wir bringen in der Zwischenzeit positive Vibes auf alle Social-Media-Kanäle. In zwei Wochen, also Mitte April 2020, wollen wir die RESTLOS GLÜCKLICH Online Kitchen öffnen und gemeinsam online kochen und essen, damit sich niemand allein fühlen muss.

Das klingt toll. Wir sind dabei und hoffen, du da draußen auch. Danke, liebe Hanna Legleitner von RESTLOS GLÜCKLICH!

© Fotos auf dieser Seite: Joris Felix für RESTLOS GLÜCKLICH

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